Was ist “In Steps!” ?

InSteps! Ein Förderprogramm zur nachhaltigen

Reintegration von Schülerinnen und Schülern mit Lern- und Verhaltensstörungen in das Allgemeine Schulsystem

Projektbeschreibung

Schulische Übergänge stellen vielfältige Anforderungen  an junge Menschen und unter ungünstigen Umständen überfordert diese Phase der Neuorientierung Schülerinnen und Schüler. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Lern- und Entwicklungsstörungen – oftmals sind dies Kinder aus sozial schwachen Schichten unserer Gesellschaft – scheinen die gegebenen Regelungen und Unterstützungsmaßnahmen zur Gestaltung des Übergangs z.B. von einer Förderschule an eine Regelschule nicht ausreichend zu sein. Die geringen Rückschulungsquoten von ca 10 % deuten darauf hin. Der Urauftrag der Förderschule für Emotionale- und soziale Entwicklung, “Durchgangsschule” zu sein (vgl Richtlinien, S.7), wird nicht erfüllt. Demgegenüber ist in den Statistiken ein massiver Anstieg der Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Verhaltensstörungen zu beobachten. Die Anzahl der Förderschulen für emotionale und soziale Entwicklung ist seit den 90´er Jahren ebenfalls um ein Vielfaches angestiegen. Somit werden immer häufiger Schülerinnen und Schüler an die Förderschule für emotionale- und soziale Entwicklung geschickt. Obwohl diese Schulform sich als “Durchgangsschule” definiert ist der Weg zurück an die Allgemeine Schule ungleich schwieriger.

Das Förderprogramm “In Steps!” setzt genau an dieser, u.a.  in der PISA – und IGLU – Studie nachgewiesenen Schwachstelle des deutschen Bildungssystems an und ermöglicht Schülerinnen und Schülern einen behutsameren und begleiteten Übergang z.B. von der Förderschule an die Allgemeine Schule.

Es handelt sich dabei um ein mehrstufiges und über ein Schuljahr angelegtes Unterstützungssystem, das es potentiellen “Bildungsverlierern” erleichtert  von einer Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung an eine Allgemeine Schule zu wechseln. Im Kern geschieht dies durch eine Verdichtung der Kommunikationsstrukturen durch einen so genannten “Rückschulungshelfer”  und durch eine standardisierte Reduzierung und Entzerrung der Anforderungen, die auf den potentiellen Rückschüler zukommen. Dieses tertiärpräventive Mentoring-Konzept zielt durch seinen  Aufbau auf eine Verbesserung der Aufstiegschancen der schwächsten Schülerinnen und Schüler ab und basiert auf einer empirisch überprüften Maßnahme der US-Pädagogen Angela M. Adan und Robert D. Felner, dem School Transitional Environment Program.

Ausgehend von diesen Vorerfahrungen sammeln seit fünf Jahren Studentinnen und Studenten des Seminars für  Erziehungshilfe und emotionale und soziale Entwicklungsförderung im Rahmen eines Projektes zur Gestaltung und Begleitung von schulischen Übergängen reichhaltige praktische und theoretische Erfahrungen rund um das Thema “Integration und Rückschulung”.

Zum einen haben die Studentinnen und Studenten die Möglichkeit sich im Rahmen eines Begleitseminars “In Steps!” zu “Rückschulungshelfern” ausbilden zu lassen und vielfältige Praxiserfahrungen durch die aktive Begleitung von Rückschülern auf ihrem Weg zurück an die Allgemeine Schule zu sammeln. Zum anderen begleiten studentische Miniforschungsgruppen das Projekt seminarübergreifend und evaluieren den Übergang von der Förderschule auf die Allgemeine Schule unter psychologischen und sonderpädagogischen Gesichtspunkten im Rahmen der Pilotphase der hier beschriebenen empirischen Untersuchung. Mehrere Studenten haben bereits ihre Abschlussarbeiten über das Projekt verfasst und formulierte Thesen an kleinen Stichproben überprüft. Eine erste Evaluation der Pilotphase zeigt  Erfreuliches: 13 der 15 zurückgeschulten Schüler der Förderschule, die das In Steps!-Programm durchlaufen haben, konnten mit Erfolg in das System Allgemeine Schule  re-integriert werden.

Sollte sich diese erfreuliche Erfolgsquote auch bei einem Ausbau des Projektes bestätigen, so wäre möglicherweise ein Weg gefunden vielen Schülern „einen schulischen Aufstieg“ an die Allgemeine Schule zu ermöglichen.

Durch die Tatsache, dass sich der theoretische und der praktische Zweig des Projektes in einem vierwöchigen Rhythmus zu einem fachlichen Austausch treffen, findet eine intensive und umfassende Auseinandersetzung mit der beschriebenen Thematik statt. Die wichtigen Praxiserfahrungen der angehenden Sonder- und Heilpädagogen werden dadurch direkt theoretisch reflektiert und analysiert. Die ersten Ergebnisse dieses Forschungsprojektes wurden bereits in der Fachpraxis vorgestellt. Weitere Ergebnisse stehen kurz vor der Veröffentlichung. Das Projekt wurde 2008 von der Körber-Stiftung im Rahmen des USABLE-Wettbewerbs mit einem Ideenpreis ausgezeichnet.

Begleitet und koordiniert wird das Projekt von Daniel Mays im Rahmen des Forschungsprojektes, an der Universität zu Köln in Kooperation mit  Vertr. – Prof. Dr. Thomas Hennemann und Sascha Michel, Koordinator der Kompetenzregion Mülheim-Ost und Förderschullehrer.

Seit dem Sommersemester 2008 besteht eine weitere Kooperation mit dem Seminar für Verhaltensgestörtenpädagogik unter der Leitung von Vertr. – Prof. Dr. Stefanie Roos an der TU Dortmund. Seit sechs Semestern gibt es dort ein Seminar zum “In Steps!” – Projekt. Dieses Seminar leitet Daniel Mays im Rahmen eines Lehrauftrags.

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