Die Idee

„In Steps !“ – Grundlagen

Die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung definiert sich laut Richtlinien ( vgl. Richtlinien der Schule für Erziehungshilfe 1978) als Durchgangsschule. Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung sollen somit auf diesen Schulen nur zeitweise unterrichtet werden.

Die Zahl der Schüler in NRW, die tatsächlich zurückgeführt werden ist vor diesem Hintergrund als zu gering zu bezeichnen (vgl. Voigt, U. 1998). Die wenigen Studien und amtlichen Zahlen die es gibt, beschreiben schwankende Rückschulungsquoten zwischen 5 und 17 Prozent. Im Rahmen der hier vorliegenden empirischen Untersuchung konnte für die Primarstufe eine Rückschulungsquote von 8% und für die Primarstufe eine Quote von etwas mehr als 4% ermittelt werden.

ANOVA
N Primarstufe Sekundarstufe F p
RS – QUOTE, M (SD) 302* 7.98 (5.22) 4.23 (3.43) 56,83 ,000

Das neue Schulgesetz in NRW fordert im Gegensatz dazu eine erhöhte Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schulformen. Die Verbesserung der Durchlässigkeit zwischen Förder- und allgemeiner Schule wird somit auf der schulpolitischen Ebene eingefordert. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung in NRW von 57 im Jahre 1990 auf 195 im Jahre 2005 angestiegen sind (vgl. Willmann, M. 2005) und die Anzahl der Schüler mit diesem Förderschwerpunkt laut Landesamt für Statistik trotz sinkender Schülerzahlen konstant bleiben, erscheint es bedeutsam, sich mit dieser Problematik zu beschäftigen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema (vgl. Bartnitzky 2005), die Aussagekraft haben, gibt es nur wenige und erfassen die Problematik unter jeweils verschiedenen Gesichtspunkten. Aktuelle aussagekräftige Untersuchungen zu diesem Thema existieren so gut wie nicht. In den meisten Arbeiten zu diesem Thema findet man jedoch vielfältige Hinweise darauf, dass der Entwicklung eines mehrstufigen Rückschulungsverfahrens  und der engeren Kooperation zwischen Förder- und allgemeiner Schule ein wichtiger Stellenwert im Bestreben nach einer erfolgreichen Rückschulung eines Schülers zukommt. Schlepphorst befragte bereits 1987 alle Sonderschullehrer der Schulen für Erziehungshilfe in NRW zu diesem Thema und konnte aufzeigen, dass die Optimierung von Rücküberweisungen nach Aussagen der Lehrkräften durch

a)     die Verbesserung der Möglichkeiten zur Vor- und Nachsorge,

b)    Maßnahmen zur Integration und Vorbereitung und

c)     die Verbesserung des (allgemeinen) Kontaktes zu den Regelschulen zu bewerkstelligen sei. (vgl. Schlepphorst, C. 1990)

Das hier vorgestellte Förderprogramm „In Steps“ – Erfolgreiche Rückschulung durch Kooperation, setzt genau an diesen Punkten an und verdichtet insbesondere die Kommunikationsstrukturen zwischen den beteiligten Personen (Lehrer der allgemeinen Schule, Förderschullehrer, Eltern, Schüler).

Ein weiteres wichtiges Merkmal dieser Unterstützungsmaßnahme ist die standardisierte Reduzierung und Entzerrung der Anforderungen, die auf den potentiellen Rückschüler zukommen.

Wirklichkeiten

Der erste und wichtigste Auftrag der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung ist laut Richtlinien die Rückschulung der ihr anvertrauten Schüler an die allgemeine Schule. Die Entscheidung über eine Rückschulung und die schrittweise Beendigung der sonderpädagogischen Förderung wird laut BASS durch die zuständigen Lehrer und die Schulaufsichtsbehörde getroffen. In der Praxis wird diese Maßnahme oft probeweise für ein halbes Jahr durchgeführt. Der Förderschüler hat in dieser Zeit noch Anspruch auf drei Stunden sonderpädagogische Förderung.

Auf der Grundlage von Kooperationsvereinbarungen  zwischen Förder- und allgemeiner Schule vereinbaren viele Schulen vor dem eigentlichen Rückschulungspraktikum ein mehrwöchiges Probe – Praktikum . Diese Vorgehensweise ist sinnvoll, um den Schüler vor Misserfolgserlebnissen zu schützen. Trotz dieser Maßnahmen wird die Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung ihrem Auftrag „Durchgangsschule“ zu sein nicht annährend gerecht. Die wenigen, verlässlichen Zahlen die es gibt, deuten deutlich auf diese Problematik hin.

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass keine aktuellen Zahlen zu den Rückschulungsquoten der Schulen vorliegen. Eine umfangreiche Studie, die die Rückschulungshäufigkeit in Bayern, Hessen und Rheinland – Pfalz erfasste, gab für die Schuljahre 1978/79 bis 1982/83 eine schwankende Rückschulungsquote von 5,56% bis 10,8% für Hessen und von 11,16% bis 16,02% für Bayern an. Die Werte für Rheinland-Pfalz liegen zwischen diesen Werten. Eine in NRW durchgeführte Untersuchung aus dem Jahre 1984 an 5 Sonderschulen ergab eine Rückschulungsquote von  6,2 % (vgl. Voigt 1998, 47). Voigt formuliert in diesem Zusammenhang weiter, „…dass die SfE (Anmerkung des Verf.: SfE bedeutet Schule für Erziehungshilfe und war 1998 der geläufige Begriff für die Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung) in der Praxis keineswegs eine Durchgangsschule zu sein scheint, sondern vielmehr nur ein Bruchteil oder im besten Fall bis zur Hälfte ihrer Schüler in die allgemeine Schule reintegriert werden (vgl. Neukäter 1993, 185; Schweppe 1981, 790; Benkmann 1992; Frühauf 1986,2 135 ff). Die Schätzungen in Saueressig (1990), die für NRW von einer RS-Quote von zwischen 30 und 70% ausgehen, scheinen demhingegen als zu optimistisch“ (ebd.).

Grosenick (1975) und Schneider/Byrne (1984) betonen ergänzend in ihren Arbeiten, dass die Länge der Zeit, die ein Kind an einer Förderschule verbringt grundsätzlich Einfluss auf ein Gelingen oder Nichtgelingen einer Rückschulung hat. Zumindest die Gefahr eines Institutionalisierungseffektes muss an dieser Stelle in die Überlegungen zur Verbesserung der Rückschulungshäufigkeit mit einbezogen werden. Schneider/Byrne schreiben hierzu: „…those who remain in segregated settings for major portions of their school careers may become somewhat institutionalized, and return to regular class too unfamiliar with contingencies and demands of the setting to function adequately“ (Schneider/Byrne 1984, 375)

Im Folgenden soll das modifizierte Rückschulungsverfahren „In Steps !“ vorgestellt werden, dass an den von Schlepphorst formulierten verbesserungswürdigen Punkten ansetzt.

Kern dieses schuleigenen Rückschulungsverfahrens ist die Verdichtung der Kommunikationsstrukturen zwischen den beteiligten Personen (Lehrer der allgemeinen Schule, Förderschullehrer, Eltern, Schüler) und eine standardisierte Reduzierung und Entzerrung der Anforderungen, die auf den potentiellen Rückschüler zukommen. Aber werfen wir zuerst einen Blick auf die Anforderungen, die auf den Schüler im Verlaufe der Rückschulung zukommen.

Anforderungen an den Schüler

Auf den zurückzuschulenden Schüler kommen im Verlaufe des Übergangs (Transition) von der Förderschule auf die allgemeine Schule vielfältige Anforderungen zu.

Dazu zählen:

-   der täglich stattfindende Unterricht über 5 – 7 Std.

-   der Unterricht in großen Klassen mit bis zu 30 Schülern

-   das tägliche Erledigen der Hausaufgaben

-   das Erleben unstrukturierter Phasen (Pausen)

-   die konsequente mündliche Mitarbeit

-   das Aufarbeiten von fachlichen Defiziten

-   das Mitbringen von vollständigen Arbeitsmaterialien

-   der Wechsel vom Klassenlehrer zum Fachlehrerprinzip

-   die eigenständige An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

-   das eigenständige Erarbeiten von fachlichen Inhalten

-   der Aufbau von positiven Sozialkontakten innerhalb des neuen Umfeldes

Korz betont an dieser Stelle die Notwendigkeit einer begleitenden Integrationshilfe um den Kontakt zu den neuen Klassenkameraden im positiven Sinne zu gestalten und um ausgrenzende Prozesse innerhalb des neuen Umfelds zu reduzieren: “They felt isolated from peers and stigmatized because they were special education students. Such feelings, left unadressed, threaten to undermine therapeutic gains not yet internalized and jeopardize the likihood of satisfactory adjustment to new school placements.“ ( Korz, A. 1998, 200).

Diesen Anforderungen muss der Schüler nach dem bestehenden Rückschulungsverfahren innerhalb von wenigen Wochen größtenteils eigenständig gerecht werden. Ziel des hier beschriebenen modifizierten Verfahrens ist es, die an den Schüler gestellten Anforderungen in entzerrter Form in das Verfahren einzubetten und dem Schüler zusätzlich Unterstützung durch einen Sonderpädagogen zu geben.

Das gesamte Verfahren wird dabei in verschiedene Phasen aufgeteilt, die unterschiedliche Schwerpunkte haben und das Nichterreichen der oben formulierten Ziele vermeiden sollen. Ziel dieser tertiärpräventiven Maßnahmen ist eine verbesserte Selbstwirksamkeitsüberzeugung und ein Höchstmaß an Kontrolle für den Rückschüler.

Felner und seine Kollegen zeigten bereits 1982 auf, dass eine Reduzierung und Entzerrung der Anforderungen (decreasing the confusion and complexity of the setting being entered)  und eine Verstärkung der Begleitmaßnahmen (increasing the levels of social support) für einen erfolgreichen Übergang von der einen Schulform in die andere einen elementaren Bestandteil darstellt (vgl. Felner et al.1982, 288).

Unterstützt werden diese Annahmen durch Grosenick (1975), Askew / Thomas (1987) und Fuchs et al. (1991). Für das hier vorgestellte Förderprogramm scheint insbesondere das von Felner und Adan (1989) entwickelte Programm STEP wichtige Anregungen liefern zu können.

Das School Transitional Environment Program von Robert D. Felner and Angela M. Adan zeigte in mehreren Untersuchungen, dass es deutlich positive Effekte auf den schulischen Werdegang hat.

In diesem Programm begleiten pädagogische Fachkräfte die schulformwechselnden Schüler ebenfalls während der Übergangsphase und ermöglichen dem Schüler oder der Schülerin so einen behutsameren Wechsel. Langfristig angelegte Studien haben weiterhin gezeigt, dass die Elemente des STEP – Programms wichtige Bausteine zum erfolgreichen Wechsel zwischen zwei Schulformen darstellen: “STEP students, entering both junior and senior high schools, showed significantly fewer decreases in academic performance or indices of positive mental health (e.g., self-concept) and fewer increases of measures of emotional and behavioural dysfunction and difficulties (e.g., depression, self reported substance abuse and delinquent acts, and teacher ratings) compared to their respective controls.” (Felner 1995, 118)

Die Rückschulung aus der Sicht der Lehrkräfte

Auch für die beteiligten Lehrkräfte stellt die Rückschulung eine Herausforderung dar:

-   Die Schülerzahl bestimmt letztendlich immer noch die Anzahl der Lehrerstellen und auch die Konrektorstellen an Förderschulen. Eine Schule mit einer hohen Rückschulquote muss damit rechnen, dass sie weniger Lehrerstellen bewilligt bekommt. Eine Förderschule mit 100 Schülern und einer hohen Rückschulquote von angenommen 25 % läuft somit Gefahr Lehrerstellen und Konrektorstellen nicht (mehr) bewilligt zu bekommen.

-   Aufgrund des großen Einzugsbereichs liegen die Förderschule und die Allgemeine Schule oft einige Kilometer auseinander. Um einen Schüler angemessen zu begleiten, ist ein hoher Zeit- und Fahrtkostenaufwand erforderlich. Auch hier ist es zumindest fraglich, ob die für die Rückschulung laut BASS vorgesehen 3 Stunden in der Woche ausreichen und ob diese Fehlzeiten in der Stammschule überhaupt aufgefangen werden können.  Bei einer halben Stunde Anfahrt und 2 x 1 ½ Stunden Förderung des Rückschülers ergibt sich ohne eine Vor- und Nachbereitungszeit einzurechnen ein Zeitaufwand von 5 Std. in der Woche pro Rückschüler.

-   Die Arbeit als Lehrer/in an einer Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung ist relativ anstrengend. Die Rückschulung eines Schülers bedeutet mehr Arbeits- und Zeitaufwand.

-   Die Arbeit als Lehrer/in an einer Hauptschule ist ebenfalls relativ anstrengend. Die Aufnahme eines zusätzlichen Schülers bedeutet mehr Arbeits- und Zeitaufwand.

-   Die Kommunikation zwischen den FörderschullehrerInnen und LehrerInnen der allgemeinen Schule kann sich aufgrund der identischen Arbeitszeiten als schwierig erweisen. Auftretende Probleme während des Rückschulungsprozesses werden somit oft zu spät kommuniziert und verhindern ein frühzeitiges Gegenlenken.

Das Förderprogramm „In Steps“ konkret

Vor dem Hintergrund der in dieser Arbeit beschriebenen psychologischen Erkenntnisse, Studien und praktischen Vorerfahrungen ist das Förderprogramm „In Steps !“ als praxisbezogener Teil des Gesamtforschungsprojektes zum Thema „Rückschulung“ entstanden,

Im Kern besteht das Förderprogramm aus einer vorbereitenden Phase und vier aufeinander aufbauenden „Steps“. Diese fünf Phasen sollen im Folgenden vorgestellt werden:

STEP I

Aufgaben  der Rückschulungshelfer  (RH)

In der ersten Phase der Kontaktaufnahme stehen folgende Schwerpunkte im Vordergrund:

Beziehungsaufbau

In den ersten Treffen zwischen RH und dem Rückschüler (RS) steht der Beziehungsaufbau im Vordergrund.

Das Thema Rückschulung wird erst nach und nach thematisiert.

Der RH führt gemeinsam mit dem FS – Lehrer parallel eine Ist-Stand-Analyse auf Grund der Testergebnisse und der persönlichen Erkenntnisse durch. Gemeinsam mit Lehrer und Schüler werden konkrete Absprachen und Zielvereinbarungen getroffen und schriftlich fixiert.

Kontaktaufnahme mit der allgemeinen Schule

In dieser Phase wird der Kontakt mit der Schule hergestellt,  an die der Schüler möglicherweise zurückgeschult werden soll. Ein Termin zu einem ersten Vorgespräch mit der Schulleitung der aufnehmenden Schule wird vereinbart und mit dem RH abgesprochen Des Weiteren wird mit den Eltern des RS die genaue Vorgehensweise und die begleitenden Maßnahmen wie Nachhilfe oder Hausaufgabenhilfe abgesprochen. Auch die Finanzierung der Bustickets muss hier geklärt werden. Dies ist Aufgabe des Förderschullehrers.

Das Prinzip der offenen Tür

Um dem „Prinzip der offenen Tür“ nachzukommen, ist es in dieser ersten Phase von großer Bedeutung, dass allen Beteiligten klar ist, dass es sich bei der zweiten Phase um ein Schnupperpraktikum handelt, das nach 6 bis 8 Wochen endet. Dies ist eine wichtige Absicherung für alle Seiten um Misserfolgserlebnissen vorzubeugen und ein definierter Standard des FÖRDERPROGRAMMS “IN STEPS !”.

Gleichzeitig sollen durch dieses Vorgehen mehr Schüler der Förderschule für Emotionale und soziale Entwicklung die Möglichkeit erhalten sich an einer allgemeinen Schule auszuprobieren. Aktuelle und ältere wissenschaftliche Untersuchungen der Sozialforschung unterstützen vor diesem Hintergrund die These, dass sich bestimmte Verhaltensweisen in Abhängigkeit vom sozialen Umfeld entwickeln und zeigen. Dies lässt zumindest die Vermutung zu, dass „verhaltensauffällige“ Schüler in einem anderen sozialen Kontext auch andere Verhaltensweisen zeigen und bedeutet letztendlich, dass nicht alle rückschulbaren Schüler im System Förderschule selbst ausgemacht werden können.

Das „Prinzip der offenen Tür“ soll es somit explizit auch Schülern, die noch nicht alle „Verhaltensauffälligkeiten“ abgelegt haben, ermöglichen, ein Schnupperpraktikum zu machen.

Erst nach diesen 6 – 8 Wochen wird gemeinsam überlegt, ob ein längeres Probepraktikum Sinn macht.

Checkliste für die Vorbereitungsphase

Was? Wer? Wann? Wo? Bemerkung
Zeit für Beziehungsaufbau eingeplant ?
Vorbereitungsgespräch mit Schüler geführt?
Vorbereitungsgespräch mit Lehrer geführt?
Termin für regelm. Treffen mit RS abgesprochen
Termin für Treffen zwischen RH, Lehrer und Schüler vereinbart?
Zielvereinbarungen schriftlich fixiert?
Kontakt mit Zielschule hergestellt?Aufgabe  des FS-Lehrer
Termin mit Zielschule vereinbart?Aufgabe  des FS-Lehrer
Bezahlung der Bustickets geklärt ?
Vorgespräch vorbereitet?Aufgabe  des FS-Lehrer

STEP II

In dieser Phase der geplanten Rückschulung fährt der Rückschulungshelfer 1 x 2 Std. in der Woche mit dem RS an die allgemeine Schule, an die der Schüler evtl. zurückgeschult werden soll.

Bei den ersten 2 – 3 Treffen sollte der Klassenlehrer des RS mit anwesend sein. Anschließend übernimmt der RH die pädagogische Begleitung an der allgemeinen Schule.

Nach Absprache mit dem Klassenlehrer der allgemeinen Schule unterstützt der RH den RS während des Unterrichts bei Bedarf. Der RH kann phasenweise auch andere Schüler unterstützen. Dies ist sogar notwendig, um die besondere Rolle des RS nicht unnötig zu betonen. Letztendlich muss die genaue Rolle des RH gut mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer abgesprochen sein, um Kompetenzrangeleien und Missverständnisse zu vermeiden.

Aus diesem Grund sollte nach einem ersten Gespräch vor der Rückschulung, zeitnah (nach ca. 2 Wochen) ein weiteres Gespräch zwischen RH und Klassenlehrer der allgemeinen Schule stattfinden.

Der Schwerpunkt dieser zweiten Phase liegt eindeutig in der Gewöhnung des RS an die veränderten Anforderungen und schulischen Bedingungen. Das Hauptaugenmerk des RH, des Klassenlehrers und des Förderschullehrers liegt auf dem Verhalten des RS. Diese Phase der RS ist somit als diagnostisches Instrument zu verstehen, dass die Frage klären soll, ob der Schüler den verhaltensbezogenen Anforderungen einer allgemeinen Schule gerecht werden kann.

Die leistungsbezogenen Anforderungen sollen in dieser Phase nur am Rande beobachtet werden. Stellt sich jedoch heraus, dass ein RS maßlos überfordert ist, sollte dies in die Abschlussauswertung zum Ende der zweiten Phase natürlich mit einbezogen werden.

Zum Ende der zweiten Phase (nach 6 – 8 Wochen) findet ein Auswertungsgespräch mit allen Beteiligten statt. Hier wird entschieden, ob eine konkrete Rückschulung angebahnt werden soll oder nicht. Ist dies der Fall, so beginnt für den RS die nächste Phase.

Checkliste für STEP II

Was? Wer? Wann? Wo? Bemerkung
Rücksprache mit Förderschullehrer gehalten?
1. gemeinsamen Termin mit Klassenlehrer vereinbart ?
Rolle im Unterricht geklärt?
2. gemeinsamen Termin ohne Klassenlehrer vereinbart?
Konkrete Absprachen über Rolle getroffen?
Bezahlung der Bustickets geklärt ?
Wöchentliche Rücksprache mit Förderschullehrer gehalten?
Termin für Abschlussauswertung mit allen Beteiligten vereinbart?

STEP III

In dieser Phase der möglichen Rückschulung kommen zu den verhaltensbezogenen Anforderungen, leistungsbezogene Anforderungen hinzu. Der Rückschüler absolviert in diesen ebenfalls klar abgesprochenen 3 Wochen ein Vollzeitpraktikum an der ihn möglicherweise übernehmenden allgemeinen Schule. Zu Beginn des Praktikums wird mit dem Schüler klar vereinbart, dass dieses Praktikum auf drei Wochen begrenzt ist und nach dieser Zeit endet. Erst in einem weiteren Gespräch wird dann über eine evtl. Verlängerung gesprochen.

Während dieser 3 Wochen benötigt der Rückschüler eine konsequente Begleitung, um den deutlichen Wechsel der Anforderungen etwas abzufedern. Diese Begleitung bedeutet einen zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Förderschullehrer.

Der Schüler soll in diesen drei Wochen zeigen, dass er in der Lage ist, den veränderten Anforderungen nachzukommen.

Dazu zählen:

-   der täglich stattfindende Unterricht über 5 – 7 Std.

-   der Unterricht in großen Klassen

-   das tägliche Erledigen der Hausaufgaben

-   das Erleben unstrukturierter Phasen (Pausen)

-   die konsequente mündliche Mitarbeit

-   das Mitbringen von vollständigen Arbeitsmaterialien

-   der Wechsel vom Klassenlehrer zum Fachlehrerprinzip

-   die eigenständige An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

-   das eigenständige Erarbeiten von fachlichen Inhalten

-   der Aufbau von positiven Sozialkontakten innerhalb des neuen Umfeldes

Während dieser 3 Wochen benötigt der RS eine konsequente Begleitung, um den deutlichen Wechsel der Anforderungen etwas abzufedern. Der RH sollte in dieser Phase 1 Std. in der Woche mit dem RS und 1 – 2 anderen Schülern der Klasse den RS beim Aufbau von positiven Kontakten unterstützen. Kleine Kooperations- und Interaktionsspiele, Gesellschaftsspiele oder Bewegungsangebote sollen in dieser Phase die Eingliederung des RS in die neue Umgebung unterstützen. In einer zweiten Förderstunde, die auch im Nachmittagsbereich liegen kann, sollen die fachlichen Defizite aufgearbeitet werden. Die Erfahrung zeigt, dass viele Schüler insbesondere im Fach Englisch zu Beginn große Schwierigkeiten haben. In Absprache mit dem Klassenlehrer kann der RH hier punktuell fachliche Rückstände aufarbeiten.

Ab diesem Zeitpunkt muss der RS eine konsequente Hausaufgabenbetreuung und/oder einen zusätzlichen Nachhilfeunterricht erhalten. An dieser Stelle ist es wichtig, dass Förderschullehrer und Klassenlehrer mit den Eltern Möglichkeiten der Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe absprechen. Zum Ende der dritten Woche findet eine Abschlussauswertung statt. Hier wird letztendlich entschieden, ob eine Rückschulung des Schülers erfolgen soll.

Checkliste für STEP III

Was? Wer? Wann? Wo? Bemerkung
Termine für Förderstunden und Kooperationsspiele abgesprochen?
Rücksprache mit Förderschullehrer über Hausaufgabenbetreuung gehalten?
Rücksprache nach der ersten Woche mit Klassenlehrer und Förderschullehrer gehalten?
Rücksprache nach der zweiten Woche mit Klassenlehrer und Förderschullehrer gehalten?
Rücksprache nach der dritten Woche mit Klassenlehrer und Förderschullehrer gehalten?
Termin für Abschlussauswertung des dreiwöchigen Praktikums mit allen Beteiligten vereinbart?
Abschlussauswertung durchgeführt ?

STEP IV

In dieser Phase beginnt die konkrete Rückschulung des Schülers. Sie stellt auch die schwierigste Phase für den RS dar. Dieser muss sich nun konstant so an einem System verhalten, dass die Lehrer der aufnehmenden Schule zum Ende dieser Zeit der Meinung sind, dass er den Anforderungen der allgemeinen Schule auf der leistungsbezogenen und verhaltensbezogenen Ebene gerecht wird.

Um diese Hürde zu nehmen benötigt der zurückzuführende Schüler eine intensive Begleitung und Unterstützung und zwar auf beiden angesprochenen Ebenen. Der Nachhilfeunterricht spielt in dieser Zeit eine wichtige Rolle, um die wahrscheinlich vorhandenen fachlichen Defizite aufzuarbeiten. Je eher der Schüler den Unterrichtsinhalten folgen kann, umso weniger läuft er Gefahr sein Selbstbewusstsein aus anderen Dingen zu ziehen. Dieses Nacharbeiten ist somit eine bedeutende Hilfe im gesamten Rückführungsvorgang. Die Nachhilfe sollte zu Beginn zwei Mal in der Woche stattfinden und kann bei einer Stabilisierung der Leistungen auf ein Mal in der Woche reduziert werden.

Die zweite wichtige Konstante in dieser Phase muss die regelmäßige Kommunikation zwischen Schüler, RH, Klassenlehrer und Förderschullehrer sein. Zwischen diesen Personen muss ein Mal in der Woche ein zumindest telefonischer Austausch stattfinden. Bei Vorfällen wie z.B. unentschuldigtem Fehlen, nicht anfertigen von Hausaufgaben, provokativem Verhalten etc., ist ein persönliches Gespräch zwingend erforderlich.

Als Reflexionsinstrument wird hier ein wöchentlich vom Klassenlehrer auszufüllender kurzer Fragebogen sein, der die Entwicklung des Schülers aufzeichnet.

Diese enge Kommunikationsstruktur ist ein weiterer definierter Standard des FÖRDERPROGRAMMS “IN STEPS !” und ist unbedingt aufrecht zu erhalten um auftretenden negativen Entwicklungen unmittelbar entgegenwirken zu können.

Eine Hypothese ist, dass Rückschulungsversuche auch scheitern, weil in dieser Phase der Rückschulung die Kommunikation zwischen den beteiligten Erwachsenen nicht ausreichend ist und der Austausch zwischen den beteiligten Personen erst dann beginnt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Der Rückschulungshelfer hat in dieser Phase die Aufgabe die Kommunikation zwischen den beteiligten Personen zu unterstützen. Es ist nicht Aufgabe des RH den beteiligten Personen hinterher zutelefonieren.

Der RH soll auch in dieser Phase kooperative Angebote mit einer Kleingruppe durchführen. Dies kann die gemeinsame Vorbereitung eines Imbisses für die ganze Klasse, ein kreatives oder spielerisches Angebot sein. Diese Förderstunden sind genau mit dem Klassenlehrer der allgemeinen Schule abzusprechen und als Konstante zu implementieren. Dieses Angebot sollte ein Mal in der Woche stattfinden.

Zum Ende der sechs Monate ist eine besonders enge Betreuung des RS notwendig. Der bestehende Druck und die Versagensangst des RS können in dieser Phase Einfluss auf das Verhalten und die Leistung des Kindes haben. Die Begleitung hat in dieser Phase das Ziel positiv zu verstärken und vor allem Ängste zu reduzieren. Dieses Vorgehen muss auch durch die intensivere Einbindung des Förderschullehrers unterstützt werden. Der Förderschullehrer muss hierbei Elternsprechtage der allgemeinen Schule frühzeitig nutzen, um nicht nur Informationen vom Klassenlehrer zu bekommen sondern auch von den Fachlehrern. Letztendlich entscheiden nämlich alle beteiligten Lehrer über den Verbleib oder Nichtverbleib des Schülers.

Des Weiteren sollten der Förderschullehrer und der RH vereinbarte Gesprächstermine auch dazu nutzen, die Kollegen der allgemeinen Schule über die gesamte Prozedur der  Rückschulung aufzuklären.

Die belastenden Folgen für den Schüler und seine Familie dürfen hier nicht unerwähnt bleiben, um einer Sensibilisierung für die vom RS erbrachte Leistung Vorschub zu leisten.

Checkliste für STEP IV

Was? Wer? Wann? Wo? Bemerkung
Termine für Förderstunden und Kooperationsangebote abgesprochen?
Rücksprache mit Förderschullehrer über Hausaufgabenbetreuung gehalten?
Wurde eine Hausaufgabenbetreuung  bzw. eine Nachhilfe installiert?
Termin für telefonische Rückmeldung zwischen allen Beteiligten vereinbart?
Der wöchentlich auszufüllende Reflexionsbogen wurde vorgestellt und mit genügend Kopien an der Klassenlehrer ausgehändigt.
Rücksprache nach der 1. Woche mit Klassenlehrer und Förderschullehrer gehalten?…
…Rücksprache nach der 26. Woche mit Klassenlehrer und Förderschullehrer gehalten?
Termin für Abschlussauswertung des dreiwöchigen Praktikums mit allen Beteiligten vereinbart?
Abschlussauswertung durchgeführt ?

STEP IV

In dieser letzten Phase der Rückschulung geht es nun stückweise um den Abbau der Unterstützungsmaßnahme. Dennoch sollte auch nach dem „halbjährigen Praktikum“ noch eine regelmäßige Kommunikation zwischen Rückschulungshelfer und Rückschüler stattfinden. Diese kann aber z.B. auch durch E-Mail – Kontakt oder kurze Telefongespräche erfolgen. Auch das kurze Einholen eines regelmäßigen Feedbacks zum „Stand der Dinge“ (ca. alle vier Wochen) bei dem neuen Klassenlehrer / der neuen Klassenlehrerin hat sich als sinnvoll erwiesen. Allein das Signal an den Regelschullehrer, dass man Ihn nicht mit möglichen wieder auftretenden Problemen alleine lassen wird, kann hier zu einer Entspannung der Gesamtsituation führen. In einem abschließenden Gespräch mit allen Beteiligten sollte dann in dieser Phase die Beendigung der Unterstützung transparent formuliert und zeitlich abgesteckt werden, so dass sich vor allem der Rückschüler auf diesen „Abschied“ emotional einstellen kann.

STEP V

In dieser letzten Phase der Rückschulung geht es nun stückweise um den Abbau der Unterstützungsmaßnahme. Dennoch sollte auch nach dem „halbjährigen Praktikum“ noch eine regelmäßige Kommunikation zwischen Rückschulungshelfer und Rückschüler stattfinden. Diese kann aber z.B. auch durch E-Mail – Kontakt oder kurze Telefongespräche erfolgen. Auch das kurze Einholen eines regelmäßigen Feedbacks zum „Stand der Dinge“ (ca. alle vier Wochen) bei dem neuen Klassenlehrer / der neuen Klassenlehrerin hat sich als sinnvoll erwiesen. Allein das Signal an den Regelschullehrer, dass man Ihn nicht mit möglichen wieder auftretenden Problemen alleine lassen wird, kann hier zu einer Entspannung der Gesamtsituation führen. In einem abschließenden Gespräch mit allen Beteiligten sollte dann in dieser Phase die Beendigung der Unterstützung transparent formuliert und zeitlich abgesteckt werden, so dass sich vor allem der Rückschüler auf diesen „Abschied“ emotional einstellen kann.

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