Lektion IV

Bedeutsam für das weitere Verständnis ist zunächst die Begriffsbestimmung der Schulen für Erziehungshilfe, beziehungsweise der Förderschulen für emotionale und soziale Entwicklung.

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Die Schule für Erziehungshilfe

Im Rahmen der Entstehungsgeschichte der Schule für Erziehungshilfe, handelt es sich innerhalb von Deutschland um speziell eingerichtete Sonderklassen für sogenannte „kriegsgeschädigte“ Kinder. Dies entwickelte sich im Laufe der Jahre immer mehr zur Aussonderung verhaltensschwieriger Schüler.

1952 wurden diese einzelnen Sonderklassen in Bremen in einem gemeinsamen Schulgebäude zusammengeführt und somit entstand die erste „Sonderschule für entwicklungsgestörte Kinder“ in Deutschland. Seither etablierten sich eigenständige Schulen für verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche. Heute sind diese Schulen für Erziehungshilfe, oder auch Schulen für Verhaltensgestörte oder Erziehungsschwierige, besser bekannt als Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (Hillenbrand 2008b). In dieser Schule sollen Schüler sonderpädagogisch gefördert und unterrichtet werden, die aufgrund von Disziplinproblemen in einer Regelklasse nicht adäquat beschult werden können, den dort angebotenen pädagogischen Rahmen sprengen oder einer besonderen pädagogischen Unterstützung bedürfen (ebd. 2008b, 34). „In den Förderschulen soll ein besonderer, die sozialen und emotionalen Fähigkeiten ansprechender Unterricht angeboten werden“ (ebd. 2008b, 169). Für die Förderschulen gelten dieselben Lehrpläne die auch für die Bezugsschulen, also Grund- oder Hauptschulen gelten. Deshalb besteht auch die Möglichkeit an der Förderschule einen Hauptschulabschluss zu absolvieren (ebd. 2008b).

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Die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung gilt aber als Durchgangsschule, da die Re-Integration in ein allgemeines Schulsystem oberste Priorität besitzt. So heißt es in den Richtlinien der Schule für Erziehungshilfe von 1978: „Die Rückführung der Schüler in die allgemeine Schule ist ein vorrangiges Ziel der Schule für Erziehungshilfe. Die Schule für Erziehungshilfe versteht sich deshalb als Durchgangsschule.“ Dieser Auftrag der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung wird im Folgenden unter Punkt 4 zum Thema Rückschulung, konkret behandelt und daher jetzt nicht weiter vertieft.

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Rechtliche Lage

Die verschiedenen Institutionen der Erziehungshilfe unterliegen bestimmten rechtlichen Rahmenbedingungen. Im Schulsystem existiert als eine Institution der Hilfe ein spezieller Typ von Sonderschule beziehungsweise Förderschule. Die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz von 1994 gelten als länderübergreifende Orientierung für solche schulische Hilfen und besagen: „ Sonderpädagogische Förderung soll das Recht der behinderten und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlichen auf eine ihren persönlichen Möglichkeiten entsprechende schulische Bildung und Erziehung verwirklichen. Sie unterstützt und begleitet diese Kinder und Jugendlichen durch individuelle Hilfen, um für diese ein möglichst hohes Maß an schulischer und beruflicher Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbstständiger Lebensgestaltung zu erlangen“ (Hillenbrand 2008b, 162). Innerhalb der Gewährleistung sozialpädagogischer Hilfen bildet das Kinder- und Jugendhilfegesetz außerdem im §35a die Grundlage zur Eingliederungshilfe seelisch beeinträchtigter Kinder und Jugendlicher. Darin steht geschrieben, dass Kinder und Jugendliche Anspruch auf Eingliederungshilfe haben, wenn „1. ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht und 2. daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist“ (Sozialgesetzbuch).

Die Verordnungen des AO-SF (Ausbildungsordnung gemäß § 52 SchulG) über die sonderpädagogische Förderung, den Hausunterricht und die Schule für Kranke stellen eine Grundlage im Rahmen sonderpädagogischen Förderung dar. Besonders §16 – Beendigung der sonderpädagogischen Förderung, Wechsel des Förderschwerpunktes; Absatz 5: Die Entscheidungen nach den Absätzen 2-4 können auch probeweise für sechs Monate getroffen werden, stellt für die weiteren Erkenntnisse der Arbeit die rechtlichen Rahmenbedingungen dar.

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Leider konnte sich die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung nicht als Durchgangsschule etablieren und wird bis heute von heftigen Integrationsdebatten umgeben. Es hagelt viel Kritik und dementsprechend kommt es immer mehr zu den Forderungen nach einem integrativen Schulsystem (Hillenbrand 2008b).

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