Lektion II

Im Folgenden soll nun Angst als eine Gefühls- und Verhaltensstörung besonders hervorgehoben werden, da sie im Hinblick auf die nachstehende Rückschulungsthematik von Bedeutung ist.

1.1.2 Angststörung

Ängste und Unsicherheiten gehören zur kindlichen Entwicklung dazu. Bereits früh können solche Gefühle auftreten und werden bei Kindern und Jugendlichen „auf der körperlichen, der psychischen sowie der Verhaltensebene beobachtet“ (Nevermann 2008, 258). Hierbei spiegelt Angst einen emotionalen Zustand von Erregung und Belastung wider.

Bei einer Angststörung handelt es sich nach den Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM4 um eine internalisierende Störung, die den Gefühls- und Verhaltensstörungen zugehörig ist.

Angst gilt aber erst dann als eine Störung, wenn sie die Kriterien dafür erfüllt und in ihrer Intensität und Dauer die Entwicklung eines Kindes beeinträchtigt. Erst dann kann von Angst als einer Verhaltenstörung gesprochen werden, da Angst ansonsten in vielen Formen zum alltäglichen Leben jedes Menschen dazugehört. Lediglich bei 1 bis 4% der Gesamtbevölkerung tritt eine Angststörung auf, während diese Problematik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie recht häufig auftaucht (Hillenbrand 2008b, 194). Kinder und Jugendliche mit Verhaltensstörungen können somit auch anfälliger für eine Angststörung sein. „Die Stabilität einer Angststörung und eine ungünstige Prognose steigen an, je schwerer der Ausprägungsgrad der Störung ist, je früher die Störung beginnt und je später die Behandlung einsetzt“ (Petermann 1999 zit. n. Nevermann 2008, 266).

Der Begriff Angst kommt von Enge oder Beengung und lässt auf den Zustand einer ausweglosen Situation schließen. Weiter kann man sagen, dass es sich um eine unangenehme emotionale Reaktion auf einen bestimmten Sachverhalt handelt, wobei dieser Sachverhalt als bedrohlich empfunden wird und darüber hinaus versucht wird zu meiden. „Angst zeigt sich an Verhaltensweisen wie Unterlegenheit, Verlegenheit, geringes Selbstbewusstsein, deprimierte Stimmung, Schüchternheit oder leichte emotionale Verletzbarkeit“ (Hillenbrand 2008b, 193). Dieser Angstzustand ist zeitlich begrenzt, wobei das habituelle Persönlichkeitsmerkmal der Ängstlichkeit tendenziell relativ stabil und interindividuell ist und dementsprechend Situationen als bedrohlich interpretiert werden und darauf mit einem erhöhten Angstzustand reagiert wird (Nevermann 2008, 258).

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Die kurze Erläuterung dieser Begrifflichkeiten findet ihre Relevanz im empirischen Teil dieser Arbeit, wenn es um die Ängste und Unsicherheiten der Kinder mit emotional- sozialem Förderschwerpunkt im Zuge einer Rückschulung geht.

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