Lektion V

1.1.6            Integration und Inklusion

Die schulische Integration von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensstörungen stellt eine zentrale und kontrovers diskutierte Frage dar. Zum Begriff der Integration ist zu sagen, dass im Zuge der Integrationsbewegung gleiche Bildungschancen für alle Menschen angestrebt werden und dementsprechend eine möglichst normale Teilhabe an der Gesellschaft realisiert werden soll. Der Begriff Integration kann letztendlich einen sehr weiten Inhalt umfassen:

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„Von einem gemeinsamen Kindergartenbesuch und Maßnahmen der Frühförderung über die gemeinsame Unterrichtung in regulären Schulen der Primar- und Sekundarstufe bis zu beruflichen und sozialen Hilfen“ (Hillenbrand 2008b, 216).

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In der aktuellen Inklusionsdebatte, heißt es:

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„Weg von den Förderschulen, hin zur integrativen Beschulung.“

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Diese Aussagen lassen die segregierte Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Gefühls- und Verhaltensstörungen in sehr kritischem Licht erscheinen (Voigt 1998). Wenn man von Inklusion spricht, meint man das vollwertige Einbezogensein von Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft. Die Heterogenität soll als normal angesehen werden. Weiter spricht man demnach von inklusiver Bildung, um allen Menschen bereits in Form von integrativen Schulsystemen den Zugang zu jeglicher Bildung und zur Teilhabe an der Gesellschaft zu gewährleisten. Der neuere Anspruch der Inklusion, welcher aus den USA zu uns gestoßen ist, fordert die Vermeidung erster Separierungen. Hierbei stehen die Akzeptanz sowie die individuelle und intensive Förderung jedes einzelnen Kindes im Vordergrund. Wenn man also von Integration und Inklusion in dem Zusammenhang von Kindern und Jugendlichen mit emotional-sozialem Förderbedarf spricht, soll es nicht mehr um die Behinderung oder Auffälligkeit als solche gehen, sondern um die Heterogenität der Gesellschaft, besonders auch im Bezug auf die Institution Schule (Kommission Rheinland-Pfalz 2005). Dennoch ist die separierende Beschulung in NRW vorherrschend und es kommt lediglich zu Stundenweiser Betreuung von Schülern mit Förderbedarf durch Sonderpädagogen im Rahmen des „Gemeinsamen Unterrichts“ (GU). „Zwischen dem Anspruch Inklusion und den in NRW tatsächlich existierenden Rahmenbedingungen für integrative Lernsettings klafft momentan noch demzufolge eine sehr große Lücke“ (Mays 2010d).

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1.2            Zusammenfassung

Auffälliges Verhalten im Kindes- und Jugendalter sollte im Rahmen einer Diagnostik auf eine mögliche psychische Störung untersucht werden. Bei einem Förderbedarf im Bereich des Verhaltens liegen meistens Defizite bei der emotionalen und sozialen Entwicklung zugrunde. Eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter stellt dabei die Angststörung dar. Kinder und Jugendliche mit einer klinisch diagnostizierten Gefühls- und Verhaltensstörung besuchen dann oftmals eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung. Die Förderung zielt auf Erziehungshilfe und strebt bei einem hohen Maß an Verständnis, persönlicher Zuwendung und pädagogisch-psychologischer Unterstützung einen Aufbau von Grundverhaltensweisen und positivem Selbstwertgefühl an.  Innerhalb dieser Schule sollen die Kinder und Jugendlichen diese besondere Förderung erfahren, um sich Stück für Stück wieder in das allgemeine Schulwesen einzugliedern. Weitergehende Auswirkungen einer bestehenden Störung sollen vermieden werden und dem Entstehen neuer Verhaltensauffälligkeiten soll vorgebeugt werden. Insgesamt erhalten ca. 0,5% aller Schüler im deutschen Schulsystem, Förderung in diesem Förderschwerpunkt. Neben den integrationspädagogischen Ansätzen, soll unabhängig davon eine Zusammenarbeit zwischen Förder- und Regelschule bestehen, wenn es um die Rückführung der Förderschüler an die allgemeine Schule und eine entsprechende Unterstützung geht. Schwankende Rückschulungsquoten zwischen 5 und 17 % (Mays 2010 Theorie) stellen jedoch kein befriedigendes Ergebnis für die Systematik der Schulen dar. Aufgrund des Mangels an genügend wissenschaftlichen Studien zum Thema Rückschulung muss man sich auf diese wenigen vorhandenen Untersuchungen beziehen, welche ein alarmierendes Ergebnis aufweisen. Die Integration von Förderschülern, speziell hier im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung, in das allgemeinbildende Schulwesen stellt einen enormen Reibungspunkt innerhalb der Bildungspolitik dar. Vermehrt tritt diesbezüglich die Forderung nach einem inklusiven Bildungssystem in die Diskussion.

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